Saturday, 10 October 2015




During a visit to Switzerland in September, the German Chancellor, Angela Merkel, answered some questions from members of the public. The following translation of one of those questions and Merkel’s answer is based on this Die Welt transcript:

Frau Bundeskanzlerin, Sie haben vorhin die Verantwortung für diese Geschichte mit den Flüchtlingen angesprochen. Eine der Verantwortungen ist es aber auch, uns hier in Europa zu schützen. Vor allem mit Flüchtlingen aus Syrien und aus diesen Ländern kommen ja noch mehr Leute mit einem islamischen Hintergrund zu uns. Was der Herr vorhin angesprochen hat, beinhaltet auch eine große Angst hier in Europa zu dieser Islamisierung, die immer mehr stattfindet. Wie wollen Sie Europa in dieser Hinsicht und unsere Kultur schützen?

Madam Chancellor, you talked just now about your responsibility for the refugees. Another responsibility is to protect us here in Europe. Most of the refugees from Syria, and the refugees from other countries, have a Muslim background. The gentleman referred earlier to a great fear in Europe about this Islamization, which is happening more and more. How are Europe and our culture to be protected from Islam?

Ich glaube, dass erst einmal der Islamismus und der islamistische Terror leider Erscheinungen sind, die wir ganz stark natürlich in Syrien haben, in Libyen haben, im Norden des Irak haben, aber zu denen leider die Europäische Union eine Vielzahl von Kämpfern beigetragen hat. Und wir können nicht sagen, das ist ein Phänomen, das uns nicht angeht, sondern das sind zum Teil Menschen, oft sehr junge Menschen, die in unseren Ländern aufgewachsen sind und wo wir auch unseren Beitrag leisten.

I think, first, that Islamism and Islamist terror are phenomena that, of course, occur predominantly in Syria, Libya and northern Iraq, but to which, unfortunately, the European Union has contributed large numbers of combatants. So we cannot say this phenomenon has nothing to do with us, because these are people, often very young people, who have grown up in our countries and we have helped make them what they are.

Zweitens: Angst war noch nie ein guter Ratgeber, das ist es im persönlichen Leben nicht und das ist es auch im gesellschaftlichen Leben nicht. Kulturen und Gesellschaften, die von Angst geprägt sind, werden mit Sicherheit die Zukunft nicht meistern.

Secondly, fear has never been a good guide, either in personal or public life. Cultures and societies which are marked by fear will definitely not be masters of their future.

Und drittens: Wir haben diese Debatte natürlich auch, dass wir sehr viele Muslime in Deutschland haben, wir haben die Debatte darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört. Wenn man vier Millionen Muslime hat, finde ich, braucht man nicht darüber zu streiten, ob jetzt die Muslime zu Deutschland gehören und der Islam nicht, oder ob der Islam auch zu Deutschland gehört.

And thirdly, of course, we also have this debate about there being many Muslims in Germany, we have the debate about whether Islam belongs in Germany. But when there are four million Muslims here, I think there is no longer a debate about whether Muslims belong in Germany but Islam does not, or whether Islam also belongs in Germany.

Aber da gibt es auch diese, diese Sorgen, und ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten, uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen.

There are also these concerns, and I must tell you quite honestly that we all have the opportunity and the freedom to embrace our religion, as long as we practise it and have faith in it.

Und wenn ich was vermisse, dann ist das nicht, dass ich irgendjemandem vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, sondern dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten. Dann haben wir doch auch, bitte schön, die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder bisschen bibelfest zu sein und vielleicht auch mal ein Bild in der Kirche erklären zu können.

And if there is anything I miss, I should not reproach someone for being a practising Muslim, but rather that we should have the courage to say we are Christians and have the courage to enter a dialogue. And then we also have, please, the tradition, to go to church once in a while, to know the Bible a bit, and perhaps to be able to explain a painting in the church.

Und wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, da würde ich mal sagen, ist es mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Und sich anschließend zu beklagen, dass Muslime sich im Koran besser auskennen, das finde ich irgendwie komisch. Und vielleicht kann uns diese Debatte mal wieder dazu führen, dass wir uns mit unseren eigenen Wurzeln befassen und bisschen mehr Kenntnis darüber haben.

And if in Germany you asked [pupils] to write essays to explain the meaning of Pentecost, I assume that Christian knowledge in the West would leave a lot to be desired. And then to complain that Muslims know their Qur’an better, I find that comical. Perhaps this debate will make us go back to our own roots and learn a bit about ourselves.

Und insofern finde ich diese Debatte sehr defensiv. Gegen terroristische Gefahren muss man sich wappnen. Ansonsten ist die europäische Geschichte so reich an so dramatischen und gruseligen Auseinandersetzungen, dass wir sehr vorsichtig sein sollten, uns sofort zu beklagen, wenn woanders was Schlimmes passiert. Wir müssen angehen dagegen, müssen versuchen, das zu bekämpfen, aber wir haben überhaupt keinen Grund zu größerem Hochmut, muss ich sagen. Das sag ich jetzt als deutsche Bundeskanzlerin.

And so I find this debate very defensive. You have to be ready to counter terrorist threats, but European history is anyway so full of horrific conflicts that we should be very careful about complaining when something bad happens somewhere else. We have to oppose that, we have to try to fight that, but we have absolutely no grounds for greater pride, I have to say. I say that now as German Chancellor.

To sum up Chancellor Merkel’s world view: Europe shares the blame for Islamic fundamentalism and Islamic terrorism; Islam and Muslims are integral to Germany; Muslims are more devout than Christians, so Christians are in no position to carp about Muslims; Europeans and European civilization are nothing special. Asked to defend Europe, Merkel trashes it.

It’s a world view shared by nearly all current European governing parties but completely rejected by Europe’s nationalist parties. You get what you vote for…

[My thanks to M, a native German speaker, for his invaluable help with the translation.—JR]

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